- Kein Empfang im UKW-Bereich -
- alles andere funktioniert -
so lautet eine relativ häufige Feststellung von noch weniger erfahrenen Radiofreunden, die dann als Frage nach der möglichen Ursache per email formuliert - oder in einem Forum veröffentlicht wird. Meistens fehlen weitere aufschlussreiche Angaben, bzw. werden diese schrittweise nachgereicht, was eine zielführende Beratung erschwert. Zu diesen Angaben zählen zum Beispiel: Was hört man aus dem Lautsprecher in Abhängigkeit von der Betätigung des Lautstärkestellers und der Senderwahl (über den gesamten Bereich!)? In welcher Weise reagiert die Abstimmanzeige? Welche Messgeräte sind vorhanden? (Und schlimmstenfalls: Riecht oder raucht es, wenn ja wo?)
Man scheut sich zunächst, eine solche Frage online zu beantworten, gibt es doch beliebig viele mögliche Ursachen und wäre doch ein Blick auf das Chassis und ein "Anfassen" für den Fachmann sehr aufschlussreich. Ich versuche trotzdem, eine möglichst systematische Vorgehensweise vorzuschlagen, die sich, das sei nochmals betont, vor allem an den technisch noch weniger erfahrenen und messtechnisch einfach ausgestattenen Radiofreund(in) richtet. Daher wird hier auch nicht auf die Problematik eines eventuell erforderlichen Nachgleichs nach Reparaturen der Schaltungstechnik im Hf-Bereich eingegangen, es geht lediglich darum, die grundsätzliche Funktion im UKW- Bereich wieder herzustellen.

1. Die UKW Röhre(n)
wird zuerst als mögliche Ursache gegen eine Referenzröhre getauscht. Die Oszillatortriode hat einen relativ hohen Anodenstrom und ist daher auch eher von Ausfällen betroffen. Weitere einfache Prüfungen: Glüht der Heizfaden, bzw. wird die Röhre (die Röhren) warm?

2. Störungen der Mechanik und des Antenneneingangs
Spätestens jetzt muss auch geprüft werden, ob die Bewegung des Abstimmknopfes auch am Drehkondensator bzw. am Spulenvariometer ankommt, ob sich diese Teile auch wirklich bewegen (Prüfungen im Bereich der Mechanik werden besser bereits im Zuge der Reinigungsarbeiten, vor dem ersten Einschalten des Gerätes durchgeführt). Die gut sichtbare und unkomplizierte Leitungsführung des Antennenkabels von der Eingangsbuchse zum UKW-Tuner kann eigentlich nur durch Gewalteinwirkung zu Schaden gekommen sein. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bei fehlendem Antennensignal der UKW- Tuner stumm bleibt.

3. Dann prüft man die dem UKW- Tuner zugeführte Anodenspannung,
die an den Anschlüssen am UKW- Kästchen (außen) gemessen werden kann. Es gibt nur wenige Anschlüsse: Heizspannung 6,3 Volt~, Anodengleichspannung, Zf- Ausgang (geschirmt) und Antenneneingang, so dass man den richtigen Anschluss auch ohne Stromlaufplan (Schaltbild) findet. Die Masseverbindung wird meistens durch ein Erdungsband (gelötet) hergestellt. Die Heizspannung kann durch einen Blick auf den Heizfaden oder durch Anfassen des Glaskolbens geprüft (natürlich auch gemessen) werden.
Fehlt die Anodenspannung, so kommt der entsprechende Tastenkontakt oder ein in Reihe liegender Widerstand als Ursache in Frage. Ist der Widerstand durchgeschmort, muss vor weiteren Maßnahmen die Ursache für dessen Tod (ein Kurzschluss?) gefunden werden (das gilt grundsätzlich für alle Widerstände im Bereich der Anodengleichspannung).

4. Prüfen des Oszillators
(man kann die Reihenfolge der Maßnahmenvorschläge 3. und 4. auch umkehren)
Ein nicht schwingender Oszillator zählt zu den häufigsten Ursachen, wenn auch beim Durchdrehen des Drehknopfes absolut kein Geräusch feststellbar ist. Lautes Krachen beim Durchdrehen deutet auf einen schwingenden Oszillator hin, dessen Funktion durch Plattenschlüsse oder verschmutzte Schleifkontakte des Drehkondensators beeinträchtigt wird.
Der Nachweis der Oszillatorschwingung mit einfachen Mitteln ist auch im Buch Seite 68 (Ausgabe 2004) bzw. Seite 58 (Ausgabe 2003) beschrieben.
Stellen Sie das zu prüfende Radio auf eine Empfangsfrequenz von 90MHz ein. Nehmen Sie ein (Taschen)-Radio, und suchen Sie im Bereich 100 bis 101 MHz nach einem unmodulierten Signal, der Abstimmanzeiger des kleinen Radios muss ausschlagen. (Die Oszillatorfrequenz liegt - mit wenigen Ausnahmen - um 10,7 MHz über der Empfangsfrequenz).
Schwingt der Oszillator, kann eigentlich nicht viel fehlen. Sie müssen dann die Kontakte und Schaltungselemente der UKW- Vorstufe und des ersten Zf-Bandfilters prüfen.
Schwingt der Oszillator nicht - und die UKW-Röhre ist in Ordnung, nenne ich eine häufige Ursache: Jemand hat den Oszillatorkreis so stark verstellt, dass dieser nicht anschwingen kann oder sehr weit verschoben schwingt. Neben Kontaktproblemen liegt die Ursache für einen nicht schwingenden Oszillator oft an den Trimmerkondensatoren, keramische Kondensatoren können leicht Schäden durch mechanische Einflüsse erleiden, und so weiter, die Liste würde nun etwas länger werden, nun wird auch das Öffnen des UKW- Kästchens unumgänglich. 
Vom Versuch des Nachweises der Oszillatorschwingung im UKW- Bereich durch den Anschluss eines Messgerätes sollte der Anfänger Abstand nehmen.

5. Nun müssen wir das UKW- Kästchen öffnen -
sofern wir es nicht mit einem UKW- Tuner in offener Bauweise (z.B. bei einer Philetta - siehe im Bild rechts) zu tun haben. Spätestens jetzt brauchen wir den Stromlaufplan.
Zuerst sollten Sie jetzt prüfen, ob die Anodengeichspannung auch wirklich an den Anoden der UKW- Röhre(n) ankommt. Fehlt diese, untersuchen Sie bitte die involvierten Kontakte, Widerstände und Kondensatoren. Ich gehe davon aus, dass Sie Sichtkontrollen bereits durchgeführt haben. Das Spulenvariometer oder der Drehkondensator (s. auch "Fall d" im Kapitel "Beispielhafte Reparaturfälle") könnte auch einen mechanischen Defekt haben. Für den Loewe-Opta "Schleifentuner" gibt es hier besondere Hinweise.
Im Buch wird darauf hingewiesen, dass auch allein eine Verschmutzung von Bauteilen als Ursache in Frage kommt.

6. Der Tausch des UKW- Kästchens
kann als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Schwierig ist dabei nur die meistens erforderliche Fummelei. Vor einem Tausch sollte der "neue" Tuner in fliegendem Aufbau probeweise angeschlossen werden. Das abgeschirmte Kabel, das den Zf- Ausgang des Tuners mit der ersten Stufe des Zf- Verstärkers verbindet (meistens über einen Tastenkontakt zum Steuergitter der ECH- Röhre) sollte bei einem Austausch unbedingt wieder verwendet werden!
Die gute Nachricht zum Schluss: UKW- Tuner sind oft über mehrere Modelljahre, mindestens aber über verschiedene Gerätetypen des gleichen Modelljahres gleich geblieben.
Vergessen Sie daher nicht, den UKW- Tuner zu retten, wenn Sie ein Chassis verschrotten!

7. Störungsursachen außerhalb des UKW- Tuners
sind - wenn alle anderen Funktionen gegeben sind - selten, aber möglich. Dazu zählt eine Verstimmung der Bandfilterkreise des Zf- Verstärkers oder ein Fehler im Ratiodetektor, wie zum Beispiel ene defekte Diodenstrecke oder schlechte Kontakte des Tastensatzes. Zur weiteren Fehlersuche in diesem Bereich misst man die negative Gleichspannung am Ausgang des Ratiodetektors, die sowohl als Regelspannung als auch zur Steuerung der Abstimmanzeige Verwendung findet. Man misst sich von Punkt zu Punkt anhand des Sromlaufplanes durch, wass aber nur Sinn macht, wenn die Funktion des Tuners nachgewiesen werden konnte.


Anhang:
Das Beispiel, der SABA UKW- Tuner, einer der besten Tuner:
Das Bild zeigt den Tuner (hier: Freudenstadt 6) bei abgenommenem Deckel und ohne die Schirmhauben für die Röhren EC92.
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Deutlich zu erkennen ist die Anschlussleiste (rot, vor den Röhren) für die Heiz- und Anodenspannung, die jeweils über eine Drossel angeschlossen werden. Rechts oben sieht man das Antennenkabel mit der Anschlussplatte. Die Abstimmung erfolgt durch ein Dreifachvariometer. Ein eventuell erforderlicher Nachgleich des Oszillator-(C206) oder Anodenkreises (C205) (Zwischenkreis) wird an den Trimmern unterhalb des Variometers (s. Beschriftung) vorgenommen. Beim Drehen am Neutralisationstrimmer (C204) kann es zum Schwingeinsatz (Pfeifen) kommen. Am Anodenkreis und Antennenkreis können auch die Spulenkerne eingestellt werden. Der Kern des Oszillatorkreises wird (falls erforderlich) durch den Seilzug des Variometerhebels justiert.
Bisher wurde nicht auf die Problematik eines eventuell erforderlichen Ersatzes eines der Kondensatoren im Tuner hingewiesen, weil dies zum Glück sehr selten erforderlich wird. Hierbei wäre zu beachten, dass die frequenzbeeinflussenden Kondensatoren mit ihrem Temperaturkoefizienten die wärmebedingten Kapazitätsänderungen der Röhren kompensieren. Daher sind einige Kondensatoren sehr dicht am Röhrensockel angelötet, damit die Wärme gut auf die Bauteile weitergeleitet wird. Bei einem Ersatz muss also sowohl die Lage als auch der Temperaturkoeffizient beinbehalten werden. Letzterer wird meistens durch eine Farbkennung ersichtlich.
Diese Problematik ist im TELEFUNKEN Laborbuch Band I ausführlich und gut verständlich beschrieben. Dort findet man auch eine ausführliche Beschreibung der Neutralisationsschaltungen.
Weil SABA Radios auch nach USA exportiert wurden, sind die UKW-Tuner grundsätzlich für Empfangsfrequenzen bis 108 MHz geeignet. Sie werden in deutschen Geräten durch den Antrieb entsprechend begrenzt.

Wesentlich handlicher ist ein UKW-Tuner von Telefunken für die kleineren Geräte (so um 1960 herum). Dieser könnte auch als Referenztuner für die Reparaturwerkstatt in Frage kommen. Ein eventuell erforderlicher Austausch von keramischen Kondensatoren würde schwieriger werden, es ist ziemlich eng am Röhrensockel. Reinigung und Sichtkontrollen sind dagagen sehr gut durchführbar, der Schutzdeckel kann auf beiden Seiten abgenommen werden.

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Viel Erfolg!