PHILIPS Capella 673A

Der Fall:
Vor uns steht ein auf den ersten Blick gut erhaltener 673A im technischen Zustand: "spielt"... Ein Blick ins bereits vom Staub befreites Innere bestätigt diesen Eindruck, bis auf einen lose herumliegenden Skalenzeiger. Obwohl das Gerät als funktionierend bezeichnet wurde, hüten wir uns zunächst vor dem Einschalten. Die über Elkos angekoppelten Lautsprecher dürfen nicht gefährdet werden. Weil bei eisenlosen Endstufen die Kondensatoren des Klangregelnetzwerkes besonders gründlich geprüft bzw. ausgewechselt werden sollten, wird hier noch einmal ein Fallbeispiel für eine Generalüberholung (alle Maßnahmen wurden im Buch beschrieben) gezeigt:
1. Zuerst werden eventuell lose herumliegende Teile (hier der Skalenzeiger) geborgen. Mehrere Behälter zur Aufnahme der zu demontierenden Teile werden bereitgestellt und beschriftet, ein bis zwei DINA4- Bögen werden zur Dokumentation der Reihenfolge der Demontage und für Montageskizzen (Seilführung!) bereit gelegt. Dies ist wichtig, falls wir auf Ersatzteile warten müssen und das Projekt sich über mehrere Wochen erstrecken würde. Von Anfang an suchen wir nach eventuellen Spuren früherer Reparaturen oder Reparaturversuche. Die Beurteilung der Qualität von früher durchgeführten Maßnahmen hat wesentlichen Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit bei den folgenden Schritten, denn man findet gelegentlich Schaltungsfehler infolge glücklos gebliebener Reparaturversuche.
Bereits bei der Abnahme des unteren Gehäusedeckels fällt die fehlende Masseverbindung auf, was einen vermutlich weniger bewanderten Vorgänger vermuten lässt. Zum Ausbau des Chassis werden 7(!) Schrauben gelöst. Nach Ausbau des Chassis wird zuerst die Glasskala abgenommen und an einem sicheren Ort verwahrt. Die weitere Inspektion ergab, dass der Vorgänger das Chassis ausgebaut hatte, um dieses und das Gehäuse vom Staub zu befreien und wegen eines Fehlers beim Auflegen des AM-Skalenseils aufgegeben hatte. Manipulationen oder Beschädigungen der Schaltungstechnik wurden nicht gefunden.

Wenn sich die Tastenkappen leicht abnehmen lassen, sollten diese zum Reinigen unbedingt entfernt werden.

Das Bild oben zeigt das Chassis nach dem ersten Arbeitstag: Reinigen, Inspektion, Prüfen aller beweglichen Teile (evtl. gangbar machen), Skalenseil auflegen, ausgerissene Öse am Skalenhintergrund reparieren, öffnen - reinigen und prüfen des UKW-Kästchens. Dann werden die schaltungstechnischen Unterlagen (www.radiomuseum.org) ausgedruckt, um den Bedarf an zu ersetzenden Kondensatoren mit dem Lagerbestand abzugleichen.

2. Nun wissen wir, dass das Chassis mechanisch in Ordnung und vollständig ist. Alles Weitere ist Fleißarbeit.
Der nächste Abschnitt gilt den Folienkondensatoren. An erster Stelle stehen die Koppelkondensatoren, zu denen hier auch der Elko vor den Lautsprechern zählt. Weil defekte Koppelkondensatoren schwere Schäden verursachen können, in diesem Fall auch an den Lautsprechern, wurden diese hier ausnahmslos ersetzt. Das Bild links zeigt den Nf- Teil (2x EL86, ECC83 und EF86) und jede Menge Folienkondensatoren. Weil dieses Gerät für den täglichen Gebrauch vorgesehen ist, kann man sich eine messtechnische Überprüfung der Kondensatoren auch sparen. Man ersetzt einfach alle. Einige Stichproben zeigten, dass die Kapazitätswerte erwartungsgemäß auf das Zwei- bis Dreifache des Sollwertes gestiegen waren (das Thema "tauschen oder nicht tauschen" wird im Buch ausführlich behandelt). Das betrifft auch solche Kondensatoren, die äußerlich unversehrt aussehen (s. kleines Bild rechts). Das mittlere Bild zeigt ein Exemplar mit verflossener Vergussmasse, wass eher als Normalfall vorgefunden wird.
Im Capella 763 sind einige Kondensatoren mit dem Wert 27nF verbaut, die in der Normreihe nicht mehr zu finden sind. Man wählt 22nF oder 33 nF oder mißt aus einer größeren Menge den geeignetsten Wert aus. Wenn es wirklich darauf ankommt, behilft man sich mit einer Pararellschaltung (s. im Buch).
Den Ratio- Elko suchen wir vergeblich, dieser steckt unter der Abschirmhaube des Ratio- Filters. Die Prüfung können wir zurückstellen, weil man einen defekten Ratio- Elko auch hören kann.
Nachdem die Folienkondensatoren wieder fit sind, wenden wir uns dem Netzteil zu. Weil wir nicht wissen, wann das Gerät zuletzt am Netz war, formieren wir erst die Siebelkos (eine einfache Methode mit Verwendung eines unserer Prüflämpchen ist im Buch beschrieben). Weil in einer eisenlosen Endstufe die im Ausgangsübertrager integrierte Netzdrossel fehlt, ist der Aufwand für die Siebung der Anodenspannung etwas größer (4x 50mF).
Und nun endlich entdecken wir die Spuren eines Vorgängers: Im Bereich der Siebung wurde ein vermutlich defektes Bauteil (die Entstödrossel) entfernt. Dabei wurden die Siebwiderstände nicht dem Stromlaufplan entsprechend angelötet. Für einen störungsfreien AM- Betrieb bauen wir wieder eine Drosselspule ein. Die im Schaltplan mit S8 bezeichnete Drossel findet man auch in vielen anderen PHILIPS Geräten. Sie wäre im Bedarfsfall leicht nachzubauen.
Weil der früher tätige Reparateur offensichtlich mit der Spannungsversorgung nicht zufrieden war, messen wir jeden Siebelko durch, bevor wir die Schaltung wieder in den Originalzustand versetzen. Die Netzspannung wird schrittweise (unter Verwendung der Prüflampen - s. im Buch) bis 230Volt angelegt, um eventuelle Kurzschlüsse rechtzeitig aufzuspüren.
Weil sich nun doch noch ein früherer Eingriff offenbart, führen wir nochmals eine Sichtkontrolle im Bereich der Röhrenfassungen und sonstiger Anschlusspunkte durch. Es finden sich auch einige sehr dicht beeinander liegende Lötstifte, die sich leicht beim Ziehen und Bewegen einer Röhre berühren könnten. Wir justieren nach.

Das Bild links zeigt wieder den Bereich des Tonverstärkers im Chassis nach dem Austausch von ca. 20 Bauteilen. Das sieht einfach aus, aber der Ausbau eines tief im Chassis verbauten Bauteils kann dauern (und nerven). Nur ein Folienkondensator wurde nach sorgfältiger Prüfung belassen.

3. Das Chassis liegt nun am Netz, Spannungen und Ströme sind im Grünen Bereich, der neue Magische Fächer leuchtet, es geht weiter:
Die Lautsprecher werden angeschlossen. Wenn wir den Anschluss der 6 Drähte nicht sorgfältig dokumentiert hatten oder den Zettel nicht mehr finden, wird es mühsam. Der Anschluss erfolgt über Messchnüre mit Krokodilklemmen, weil die Bearbeitung des Gehäuses noch bevorsteht (es sei darauf hingewiesen, dass der Lautstärkesteller auf null stehen sollte, wenn die Lautsprecher nicht angeschlossen sind). Nun sind sie es und wir drehen den Lautstärkesteller auf ungefähr 30%, bevor wir einschalten. Im Raum muss Ruhe herrschen, damit wir aus den hoffentlich zu hörenden Tönen die richtigen Schlüsse ziehen können.
Wenn wir nun mit den Klängen nicht zufrieden sind, wackeln wir an den Röhren, klopfen an alle Bauteile auf der Oberseite des Chassis, betätigen die Tastenkontakte und prüfen vor allem die Lautssprecher. Schnell finden wir im vorliegenden Fall ein Kontaktproblem an der UKW- Röhre und an der Mischröhre. Wir werden die Stifte der Röhrenfassungen nochmals prüfen müssen (s. Hinweis weiter oben). Die Reinigung der vielen Tastenkontakte und der Schleifkontakte des Drehkondensators hatten wir bis zur Inbetriebnahme zurückgestellt, auch den Ratioelko im Bandfiltergehäuse dürfen wir nicht vergessen.
Und dann stellt sich der Lohn der vielstündigen Prozedur ein:
Die fünf permanentdynamischen Lautsprecher geben auch bei großer Lautstärke einen brillanten, durch die vielen Einstellmöglichkeiten anzupassenden Klang ab. Empfang auf allen Wellenbereichen. Dank zweier Zf- Röhren eine außergewöhnlich gute Empfangsleistung im Mittelwellenbereich, Sender an Sender, natürlich nur in den Abend- und Nachtstunden. Auch der Kurzwellenbereich empfängt, trennt sehr scharf, aber hier müssen wir noch eine Antenne anschließen.
Besondere Genugtuung auch für den Autor dieser Zeilen, der den Klang der eisenlosen Endstufen von Philips bei sachgerechter Restauration für (fast alles) überragend hält.
Aber wir sind noch nicht fertig, nur über den Berg. Es folgen nun die vielen Kontaktprobleme und endlose Prüfungen, Einstellungen und schließlich noch die Aufarbeitung des Gehäuses. Alle Kontakte sind zugänglich, was deren Reinigung ermöglicht. Bei der ECC83 half etwas Kontaktfett (Paste 200 von CRAMOLIN). Arbeitet eine Taste nicht sauber, so muss beachtet werden, dass nicht nur die Arbeitskontakte der betreffenden Taste, sondern auch involvierte Ruhekontakte anderer Bereichstasten als Störungsursache in Frage kommen.
Was der Restaurateur am meisten fürchtet: Probleme im Zf-Verstärker, die einen Nachgleich erforderlich machen. Meistens kommt man mit einem blauen Auge davon und kann ohne Messplatz nachstellen. Das war auch hier der Fall, es war, wie so oft nur der Ratiofilter. Geübte könnend den Nachgleich nach Gehör und Aussteuerungsanzeige durchführen. Bevor man sich daran macht, prüft man aber andere mögliche Ursachen: Kontakte oder eine neue Röhre.
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Falls ein Versand erfolgen soll, sind wir immer noch nicht fertig: Karton anpassen, Schaumstoff verwenden, s. Bild rechts.