Der ganz normale Wahnsinn: Wiederinbetriebnahme eines hochwertigen Gerätes und Vorbereitung für den täglichen Gebrauch.


Wie erklärt man einem glücklichen Besitzer(in) und Benutzer(in), dass man auch das noch funktionierende Erbstück einer gründlichen (vielstündigen) Inspektion unterziehen sollte, vor allem aus Gründen der Gerätesicherheit, wenn man es wieder für den täglichen Gebrauch einsetzen möchte? Denn nicht selten liest man auch: "hat ein paar Tage prima gespielt und ist plötzlich stumm ..."). Auf mögliche Folgen wird im Buch hingewiesen.
Aus diesem Grund führe ich niemals bei Geräten aus dem Haushalt elektrotechnischer Laien nur einzelne Reparaturen durch, es gibt nur eine Generalüberholung, bei der vor allem auch vorbeugend gewartet werden muss.
Gegenstand des folgenden Berichtes (ca. 10 DIN A4-Seiten) ist ein solcher Fall, bei dem eigentlich nur ein bestimmter Fehler (s. auf dem Zettel) gemeldet wurde.

Die Ausgangssituation:
Das Gerät wurde von einem Sammler (GFGF- Mitglied) erworben. Der Zustand war wie folgt auf einem Zettel (s. rechts) an der Rückwand dokumentiert. Der äußere Erhaltungszustand ist sehr gut. Also die besten Voraussetzungen für eine Wiederinbetriebnahme. Inzwischen sind Jahre vergangen, in denen das Gerät nicht benutzt wurde. Mit diesem Beitrag wird gezeigt, warum in einem solchen Fall mit guten Voraussetzungen, trotzdem viele Stunden erforderlich sind, um einen erneuten Einsatz des fast 50 Jahre alten Gerätes der Spitzenklasse vorzubereiten.
Die Maßnahmen werden möglichst allgemeingültig beschrieben und richten sich wie immer, an den noch weniger erfahrenen Röhrenradiosammler. Die Maßnahmen und Empfehlungen werden hier nur aufgezählt und kurz kommentiert, detaillierte Ausführungen zu den einzelnen Schritten findet man im Buch (Radios der 50er Jahre) bzw. in den Ergänzungen / Detaillierungen dazu. Es werden nur die Dinge etwas ausführlicher beschrieben, die hier erstmals im Detail zu finden sind.

Ein erster Blick:


Grundig-Stereo-Steuergerät 6199
Schon vor dem Ausbau des Chassis wird eine erste Inspektion vorgenommen, denn im Gehäuse ist das Chassis gut geschützt. Weil solche Projekte bei Geräten der Spitzenklasse erfahrungsgemäß länger dauern, werden von Anfang an alle Auffälligkeiten notiert. Auch wenn es banal zu sein scheint, aber zuerst interessiert, ob das richtige Chassis eingebaut ist und ob sich alles im Originalzustand befindet. Dazu muss auch der untere Gehäusedeckel abgenommen werden. Soweit möglich, wird zuerst der Staub mittels Staubsauger und Pinsel entfernt (Ergebnis s. im Bild oben). Weiter wird nach Spuren früherer Reparaturen gesucht. Findet man diese, prüft man die Qualität und die Richtigkeit der durchgeführten Maßnahmen. Damit es später nicht vergessen wird, kontrollieren wir noch die Netzsicherung (siehe c).
Dann untersuchen wir, welche Teile vor dem Ausbau des Chassis demontiert werden müssen.
Das ist hier die fest montierte Ferritantenne samt Zuleitung und das Wärmeableitblech über den Endröhren. Letzteres ist zur Isolation gegen das Gehäuse auf einem Asbeststreifen (siehe b) montiert. In einem Beitrag im RMorg wird empfohlen, diesen durch ein anderes Material zu ersetzen. Ich halte dies nicht für erforderlich wenn das Material noch intakt ist, zumal nur die Kanten des Streifens frei liegen. Diese kann man mit einem farblosen Lack gegen Staubabsonderung schützen.
Weiter fällt auf, dass die Befestigung des Ferritstabes ziemlich gebastelt aussieht. Nach dem Ausbau kann aber festgestellt werden, dass es sich nicht um eine nachträglich gebastelte Lösung handelt. Das unnötig nach unten stehende Befestigungsblech (siehe a) hat aber den Vorteil, dass man sofort sieht, dass die Antenne vor dem Ausbau des Chassis demontiert werden muss. Wenn man das erst später merken würde, wäre das von Nachteil. Nachteilig ist aber, dass die Ferritantenne nicht drehbar ausgeführt wurde. Dies war konstruktiv nicht möglich, weil das Chassis von den wesentlich höheren normalen Radios übernommen wurde (siehe Konzertgerät 6099 Baujahr 1958/59 - s. Edelgalerie). Das flache Gehäuse mit dem Wärmeableitblech veranlasste aber dazu, auf der Liste zu vermerken, dass später während des abschließenden Dauertests die Wärmeentwicklung geprüft werden muss. Immerhin werden hier ca. 90 Watt in Wärme umgesetzt. In einem anderen Fall, auch bei einem GRUNDIG Chassis in einem Einbaufach geringer Bauhöhe bei einer Musiktruhe, hatte ich mich wegen starker Erwärmung entschlossen einen kollektorlosen Lüfter einzubauen. Der Betrieb erfolgte mit der gleichgerichteten Heizspannung, ein Rückbau wäre möglich, ohne Spuren zu hinterlassen.
Ebenfalls gelöst werden musste das hier winklig ausgeführte und gut haftende Kontaktblech zum unteren Gehäusedeckel (s. kleines Bild oben linls). Am UKW- Antennenkabel fehlt der Stecker, was hoffen lässt, die Ursache des fehlenden UKW- Empfags bereits gefunden zu haben. Ein massives, am Netztrafo angebrachtes Schimblech vernlasst auf dem Zettel zu vermerken, dass die Schirmung der NF- Röhren in diesem Bereich ebenfalls später kontrolliert werden sollte.
Der Blick auf die Unterseite des Chassis zeigt einen guten, kaum verschmutzten Originalzustand. Leider zeigen sich auch die Folienkondensatoren, die man besser gleich, ohne vorherige Prüfung ersetzt: Das gilt um so mehr, als diese Bauform auch als Koppelkondensatoren zu den Endröhren zu finden sind (s. oben Bild rechts).

Ausbau und weitere Reinigung des Chassis

Der Ausbau des Chassis geht nach Lösen der üblichen vier Schrauben problemlos vor sich. Die Vorsicht bezüglich der großen Glasskala erweist sich als unnötig, die Skala ist aus Kunststoff. Dafür muss auf den am Kabel hängenden Ferritstab geachtet werden, das Material bricht leicht. Das Bild oben zeigt das vollständig gereingte Chassis. Ein Foto hat auch den Vorteil, dass man die Bereiche gut erkennt, die man bei der Reinigung übersehen hat (hier unter dem UKW- Kästchen).  Auch wem das Aussehen des Chassis weniger wichtig ist, der sollte aus hygenischen Gründen sorgsam reinigen. Alter Staub ist nicht immer harmlos. Die Reinigungsarbeiten (z. Bsp. den Skalenhintergrund betreffend) und eventuelle Komplikationen sind im Buch ausführlich beschrieben.

Die Mechanik wird einer ersten Prüfung unterzogen. Eventuelle Probleme mit der Seilführung, den Tasten oder den Antrieben werden jetzt behoben. Bei diesem Gerät gab es kaum Mängel. Die Prüfung der Funktion des Stationsselektors wird jedoch auf später verschoben, wenn das Gerät in Betrieb ist. Ebenso die Prüfung der Bowdenzüge für die Bandbreiteumschaltung (s. im Bild links), die hier mit einem Potientiometer (ganz rechts) des Wuschklangregisters, wie üblich gemeinsam mit der Höheneinstellung betätigt werden. Grundsätzlich gilt folgendes: Wer sich zutraut, am Chassis unter Spannung zu arbeiten, verschiebt manche Prüfungen auf später. Er hätte nämlich umsonst gearbeitet, wenn bei der Funktionsprüfung unter Spannung nicht reperable Schäden festgestellt werden. Der Laie, der nicht bei eingeschaltetem Gerät arbeiten möchte (darf!), wird alle mechanischen Defekte beheben, bevor er den Spezialisten hinzuzieht.

Ersatz der Folienkondensatoren
Die ausgebauten Kondensatoren werden in einem Plastikbeutel (s. Bild rechts) später im Gehäuse aufgehoben. Eine andere Bauform, etwas besser aussehend (s. Bild liks), wird stichprobenweise gemessen und für sehr gut befunden. Diese Kondensatoren werden zunächst belassen und später, nach dem Einschalten nochmals geprüft (Vermerk auf der Liste). Der Ersatz von 11 Kondensatoren erwies sich als langwierig, die Röhrensockel liegen tief im Gestrüpp verborgen. An anderer Stelle wurde festgehalten, dass der Austausch von Bauteilen mit sorgfältiger Dokumentation begleitet werden muss, um nicht die Übersicht zu verlieren. Denn nichts dauert länger, als das Aufspüren selbstgemachter Fehler. Bei komplexen Geräten der Oberklasse habe ich mir die von Ernst Erb (Radiomuseum.org) empfohlene Methode zu Eigen gemacht: Ich sichere die Arbeiten mit der Kamera, wegen der relativ großen Anzeigeeinheiten kleiner Kameras ist die Kontrolle auch offline, (also ohne den PC)  möglich.

Das Wunschklangregister:
Die Schleifbahnen der Potentiometer sind gut zugänglich und werden mit einem Wattestäbchen gereinigt. Das gilt auch für alle sichtbaren Kunststoffteile des Registers und die Tasten. Der rote Faden zur Anzeige ist hier bereits entfernt, die alten Fäden werden meist sehr brüchig oder gar nicht mehr vorgefunden. Ersatz findet man unter "Kurzwaren" im Kaufhaus, s. im Bild rechts. Ein dickerer Faden ist zwar besser zu sehen, aber die Führungszapfen (rot) des Fadens könnten ausbrechen, wenn man einen zu dicken Faden hindurchzwängt.

Zwischenbilanz: 7 Stunden sind vergangen (der Formierungsprozess wird nicht gezählt). Wegen des guten Zustandes des Gerätes steht das Anlegen der Netzspannung nun unmittelbar bevor.
Vorsichtshalber werden die Netzelkos formiert, das Gerät war mindestens einige Jahre nicht in Betrieb. Dazu wird eine einfache Methode verwendet, siehe auch im Bild rechts: An Stelle der Netzsicherung wird eine Prüflampe (220/260 Volt - 5/7 Watt) vorgeschaltet, der Glühfaden hat bereits im kalten Zustand einen Widerstand von 1KOhm. Die Gleichspannung stieg hier während der Formierung (einige Stunden) von anfangs 7 Volt auf 12 Volt. Man kann dann eine zweite Lampe parallel schalten und den Vorgang noch etwas fortsetzen. Es ist kein Fehler, über 10 oder mehr Stunden zu formieren

Jetzt wird's ernst:
Für den erstem Einschaltvorgang wird an den +Ausgang des Gleichrichters ein Voltmeter angeklemmt und ein analoges (also mit Zeiger) Amperemeter zwischengeschaltet. So kann der Verlauf der Aufheizphase beobachtet werden (Eischaltstromstoß, Leerlaufspannung, Leckstrom der Netzelkos und schließlich die Sollwerte von Strom und Spannung). Für die Messung des Stromes wird ein Drehspulinstrument benutzt, um den kuzen Stromstoß beim Einschalten besser verfolgen zu können. Die Änderung der Spannung erfolgt langsamer, hier reicht ein digitales Instrument aus.
Außerdem werden zwei 5Ohm- Lautsprecher angeschlossen, weil auch das was man hört oder nicht hört, wichtig ist.
Eine Hand bleibt am Schalter der Steckdosenleiste.
Wer den Einschaltvorgang ohne Lautsrecher durchführt, sollte den Lautstärkersteller auf Null stellen (Linksanschlag).

Und jetzt wird's spannend, denn wir haben (nach 8 Stunden!) endlich ein Problem! Erwartungsgemäß können wir den Einschaltstromstoß zum Aufladen der Siebelkos verfolgen, aber der Zeiger will nicht zurückkehren, es gefällt ihm oberhalb des Messbereiches von 150mA besser. Der Finger an der Steckdosenleiste krümmt sich. Es kann viele Ursachen geben, bis hin zu einem defekten Ausgangstrafo. Eine defekte Endröhre wäre schön, ein defekter Siebelko überbrückbar und ein defekter Gleichrichter reparierbar. Den Ausgangstrafo können wir einfach durch vergleichende Messung bei gezogenen Endröhren, aber unplugged, untersuchen. Denn es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass beide Trafos gestorben sind. Die Ausgangstrafos und der Selen- Gleichrichter sind schnell geprüft und zum Glück in Ordnung. Nun pirscht man sich vorsichtig mit Vorschaltlampen, die jetzt an den +Pol des Gleichricherst angeklemmt werden, an die volle Anodenspannung heran, und siehe da, es klappt. der Nf- Verstärker reagiert auf beiden Kanälen, aber der Hf- Teil bleibt vollständig stumm. Das deutet auf ein einfaches Problem hin. Eine neue EM84 wird eingesetzt, um den Hf- Teil besser beobachten zu können. Nun kommt folgendes Störgefühl auf: Man vertraut auf den Zettel des Verkäufers (s. ganz oben), also sucht man auch nach einem selbst verursachten Fehler. Zwei typische Probleme wären: a) Man gat beim Hantieren, beim Austausch der Kondensaturen zwei sich berührende Drähte oder Lötstellen hinterlassen, oder b) Man hat Röhren nach deren Reinigung falsch eingesetzt. Diese beiden Felder müssen vor allem bei Geräten mit unbekannter Vergangenheit untersucht werden, denn das passiert vor allem dann, wenn ein Vorbesitzer in bester Absicht, das Gerät vor der Übergabe sauber machen möchte. Auf beide Dinge hat der Restaurateur hier peinlich geachtet, aber es ist doch passiert. Bei immerhin 14 Röhren findet sich die ECH81 am falschen Platz. Nach Korrektur verhält sich das Gerät wie ganz oben auf dem Zettel beschrieben (es wurde jetzt im AM- Betrieb eingeschaltet, weil dieser ja funktionieren sollte): Beide Nf- Kanäle gut in Form, AM- Empfang hervorragend, UKW tot. Jetzt fällt auch auf, dass im UKW- Betrieb der Anodenstrom deutlich ansteigt, auch bei gezogenen EC92 im UKW- Tuner. Und es scheint auch aus dem UKW- Kästchen heraus zu riechen. Auch diese vermutlich einfach zu behebende Störung ist häufig und daher auch im Buch beschrieben. Aber das UKW- Kästchen muss geöffnet werden und das kostet Zeit, die Schrauben sind zum Teil schwer zugänglich. Das UKW- Kästchen öffnet man nur, wenn man dort nach Störungsursachen sucht oder bei sehr starker Verschmutzung des Chassis, weil Schmutzschichten auf den Bauteilen im Tuner auch für Störungen verantwortlich sein können.

Zwischenbilanz nach 10 Stunden: UKW tot, der Gleichrichter liefert eine um 10% zu niedrige Spannung. Das ist leider normal und wird sehr viel später behoben. Denn eine etwas zu niedrige Anodenspannung schadet nicht, solange das Gerät zur Fehlerbeseitigung eingeschaltet bleibt. Erst für den abschließenden Dauertest werden Spannungen und Ströme auf den Nennwert eingestellt und auch nochmals im Detail gemessen. Ebenfalls leider normal ist der Umstand, dass die Heizspannung bei etwas mehr als 7 Volt liegt, weil der Spannungswähler nur auf 220 Volt einstellbar ist. Die Röhren sind robust, man könnte alle Spannungen so belassen, die Netzspannungen waren in den 50er Jahren keineswegs so konstant wie heute, doch dazu später.
Wo bleibt der UKW- Empfang? Wir suchen schon mal nach dem Widerstand, über den die Röhren im UKW- Kästchen mit der Anodenspannung versorgt werden. Laut Schaltplan ist das der mit 3,3KOhm / 1Watt, siehe in den Bildern rechts und links. Er sitzt unter dem UKW- Kästchen im Chassis und zeigt sichtbare Spuren eines überhöhten Stromes, aber er lebt noch.. Nun erwartet man am oberen Ende des Widerstandes irgendwo im UKW-Kästchen eine Kurzschluss, einen defekten Kondensator. Den Kurzschluss gibt es auch, aber nur bei eingeschalteter Spannung (das kommt vor). Der Verdacht liegt beim Durchführungskondensator (s. im Bild rechts). Aber das UKW- Kästchen will die Abschirmhaube nicht hergeben. Drei Schrauben sind kaum zugänglich, eine Folge des engen Aufbaues im Verbund mit dem Stationsselektor. Als es dann doch gelingt, entdeckt man auf der Rückseite der Haube Spuren früherer verzweifelter Kämpfe. Der Durchführungskondensator zeigt keine mechanischen Schäden, aber er ist es und muss raus, er ist im Chassis eingelötet. Dukos mit der erforderlichen Nennspannung gibt es nicht bei jedem Elektronikhändler, man kann auch auf diesen Luxus verzichten und die Spannungszuführung mit einem normalen Kondensator abblocken. Gut, wenn man im eigenen Lager fündig wird (s. Bild links). Nun steht noch der Widerstand 3,3KOhm/1Watt auf dem Einkaufszettel.
Der neue ins Bodenblech des UKW- Kästchens eingelötete Durchführungskondensator reichte nicht, eine neue EC92 musste es auch noch sein. Und nun geht's auch im UKW- Bereich, für den Anfang gar nicht mal schlecht. Fertig? Die Arbeit fängt doch jetzt erst an, aber mit Musik. Bei einem 08/15 - Gerät würde man dem Selengleichrichter evtl. mit einer Si- Diode auf die Sprünge helfen (ginge aber auch ohne) und wäre fertig. Nicht so bei einem Gerät der Spitzenklasse. Bevor es dann Später an das Messen der einzelnen Ströme und Spannungen an den Röhren geht, suchen wir schon mal durch Tausch mit Referenzröhren grob nach schwachen Röhren, dabei wird eine gute ELL80 durch ein noch besseres (nagelneues) Exemplar ersetzt. Wenn im UKW- Kästchen keine weiteren Auffälligkeiten entdeckt werden, wird die Abschirmhaube wieder aufgesetzt, nur so macht eine spätere genaue Prüfung bzw. Einstellung der UKW- Frequenzen Sinn (aber nicht vergessen alle Bauteile vom Schmutz zu reinigen, falls vorhanden). Und das Foto sollte zu den Akten gelegt werden, es könnte hilfreich sein, wenn später durch die Löcher im Kästchen hindurch eingestellt (nachgeglichen) werden muss.
Die bisher gemessenen Werte der Spannungsversorgung sehen durchaus brauchbar aus: Anodengleichspannung um etwas mehr als 10% reduziert, Gesamtstromaufnahme fast 20% weniger als im Stromlaufplan angegeben, Heizspannung fast um ein Volt überhöht. Das hört sich schlecht an, ist aber als relativ gut zu bewerten. Der Leckstrom der Siebelkos hat sich weiter verbessert, er beträgt jetzt 15mA, bei 2x 100uF (wird sich später weiter bis 10mA verbessern). Alle Messungen sind ein erster Wurf, sie müssen bei betriebswarmen Gerät verifiziert werden, bevor evtl. Maßnahmen abgeleitet werden. Der Restaurateur verbringt also auch einige Zeit am Schreibtisch, wenn die Messergebnisse mit den errechneten Werten verglichen und alternative Messaufbauten vorbereitet werden.
Der Einkaufszettel für Bürklin ist fertig, für das Aufpäppeln der Stromversorgung stehen mehrere Möglichkeiten zur Diskussion bzw. sollen getestet werden. Zwangspause für einige Tage nach den ersten 13 Stunden.

Auf geht's: Auch die Kontrollmessung mit dem Oszilloskop bestätigt eine Heizspannung direkt am Trafo von 7,2 Volt - das wollen wir diesem guten Stück für den Dauerbetrieb nicht antun. Ein Vorwiderstand muss her. Vorher müssen unbedingt die beiden gestorbenen Skalenlampen ersetzt werden, die immerhin je 0,3 A verpulvern. Wenn nach Ersatz einer Selenbrücke durch Si- Dioden überflüssige Spannung vernichtet werden muss, können die dafür erforderlichen Widerstände überschlägig berechnet werden. Es wurde jedoch empfohlen, diese Lösung vor dem endgültigen Einbau im fliegenden Aufbau zu testen, zu verifizieren. Diese Empfehlung gilt nicht für die hier beschriebene Korrektur der Heizspannung. Immerhin sind im Hauptheizkreis mehr als 4 Ampère unterwegs, die Verbindungskabel in einem fliegenden Aufbau könnten schon den erwarteten Spannungsverlust herbeiführen. Wir bauen den errechneten Widerstandswert ein und werden punktgenau landen, wenn wir richtig gerechnet haben. Aber wo und wie einbauen, immerhin werden 3 Watt in Wärme umgesetzt. Die Wärmeverteilung, die wir ohnehin noch unter die Lupe nehmen wollen (s. Hinweis weiter oben) ergibt sich wie folgt: Die aufgenommene Leistung von insgesamt 90 Watt  wird zu jeweils einem Drittel in den Heizkreisen und in den Anodenkreisen verbraten, diese Wärme wird überwiegend von den Glaskolben der Röhren abgegeben. Das letzte Drittel wird vom Netztrafo und dem Selengleichrichter auch direkt an das Chassis abgegeben. Wir verzichten daher auf den Einbau eines Widerstandes für Chassismontage, weil in unmittelbarer Nähe des Netztrafos (kurze Leitungslängen!) das Chassis nicht gerade kühl sein wird. Schließlich hat man den Selengleichrichter trotz des Nachteils von langen Leitungen, die zur Vermeidung von Netzbrumm ganz oben über der Skala verlegt wurden (daher hier fast 1 Meter Leitungslänge), auf der anderen Seite des Chassis angebracht. Wir wählen daher die im Bild rechts gezeigte Lösung, durch Parallelschaltung zweier Widerstände wird eine für die Wärmeabgabe wirksame Oberfläche von 20cm² erreicht. Die Heizspannung wird auf 6,4 Volt eingestellt. Die Spannung im zweiten Heizkreis wird ebenfalls auf diese Weise korrigiert. Bevor man sich zu solchen Spannungskorrekturen entschließt, kontrolliert man zweckmäßigerweise auch die Netzspannung.
Auch bei einer Netzspannung von 220 Volt hätten die Heizspannungen einen Wert >6,3 Volt. Man hat damit vermieden, dass die Röhrenheizung bei den früher üblichen Schwankungen der Netzspannungen unterversorgt werden. Die Angabe der Heizspannung auf eine Dezimalstelle genau hat historische Gründe.

Wir heizen. Die Anodenspannung wurde für die Arbeiten an den Heizkreisen am +Pol des Gleichrichers unterbrochen, sie wird nun wieder aktiviert. Eine eventuelle Korrektur der Anodenspannung wird auf später verschoben, liegt sie doch immerhin im Grünen Bereich. Nur die Aufteilung der Anodenströme weicht hier etwas von den Angaben im Schaltbild ab. Das riecht nach Kleinarbeit, auch am Schreibtisch. Man muss aber nicht übertreiben. Schließlich zeigen die Spannungen und Ströme auch in den verschiedenen Bereichen (FM, AM und TA) unterschiedliche Werte und auch eine neue Röhre hat(te) nicht immer 100%. Alle weiteren Messungen werden nun im betriebswarmen Zustand, d.h. nach mindestens 20 min Einschaltzeit, durchgeführt. Das Zeigerinstrument am Gleichrichterausgang bleibt dabei an Ort und Stelle, um eventuelle Schwankungen feststellen zu können. Vor allem wenn Fremdgeräusche wahrgenommen werden, muss das Instrument beobachtet werden. Bezüglich der Ströme hilft ein Druckfehler in einem Schaltplan, zuletzt wird noch der Endstufe auf den Sinus gefühlt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, nach Vollaussteuerung setzen Begrenzung und Übernahmeverzerrungen gleichzeitig ein. Das Bild zeigt jeweils beide Kanäle. Vorab kann schon mal verraten werden, dass der Klang schon mit den Werkstattlautsprechern gewaltig ist.
Ebenfalls in betriebswarmen Zustand wiederholt wird die Prüfung aller Röhren, bei zwei weiteren Röhren können die Werte durch Tausch nochmals verbessert werden.
Eine Korrektur der Anodenspannung wurde zurückgestellt, mit zwei zusätzlichen Si- Dioden über den Brückenstrecken des Gleichrichters erreichen wir jetzt die Nennspannung punktgenau. Ebenfalls offen ist noch eine eventuelle Korrektur des zweiten Heizkreises, die Bauteile fehlen noch.

Die Kleinigkeiten gegen Ende des Unterfangens sollten nicht unterschätzt werden. Die vier kleinen Skalenlampen mit Bajonettsockel werden sämtlich gegen neue Exemplare getauscht, der rote Faden des Wunschklangregisters wird eingefädelt und fixiert, die Tasten werden nochmals mit Wattestäbchen nachbehandelt, usw....
Die verschiedenen Skalenantriebe wurden bereits in der ersten Phase geprüft, gereinigt, usw... Es ist aber dringend zu empfehlen, jetzt vor den Einbau der Skala dies nochmals zu tun, denn am Anfang konnten wir ja noch keine Sender einstellen - und das führt erfahrungsgemäß dazu, das man jetzt doch etwas sensibler prüft und noch einige Kleinigkeiten findet. Hier zeigt sich, dass bei der Senderwahl per Hand (rechte UKW-Taste) ein Schlupf auftritt. Dies ist der meistbenutzte Antrieb, bei den 4 Stationstasten wird der Sender nur ab und zu neu eingestellt. Das Bild rechts zeigt die Mechanik des Stationsselektors, der bei Grundig von den späten 50ern bis in die 60er Jahre verwendet wurde. Ganz unten im Bild erkennt man die Kette, die mit dem Senderwahlknopf angetrieben wird und die Sender in allen Wellenbereichen einstellt. Die fünf verschiedenen Antriebe für die UKW- Sender werden durch Kupplungen ausgewählt, mit dem entsprechenden Gewinde (G) wird dann der Schlitten (s. Kennzeichnung) vor und zurück bewegt. Die Gewinde wurden gereinigt und geschmiert. 
Das Bild links zeigt eine der fünf Kupplungen des Stationsselektors, die aber (s. Bild rechts) mehr oder weniger unzugänglich sind. Nur die Kupplung für die zu beanstandende freie Senderwahl ist hier überhaupt sichtbar und etwas zugänglich. Man erkennt die Gummischeibe der Kupplung (K), die gereinigt und etwas aufgerauht wurde. Über die Zahnräder (Z) wird das aufgewickelte Drahtseil (S) bewegt, das schließlich die 5 UKW- Zeiger positioniert. Die Bilder zeigen, dass auch diese Arbeiten einige Zeit erfordern. Wer sich in der Welt der Mechanik besser aufgehoben fühlt als in der Elektrotechnik, findet hier Erfüllung.

Der Zusammenbau ist die vorletzte Phase des Projektes. Der Aufwand lag bis jetzt bei ca. 25 - 30 Stunden. Es gibt jedoch bezüglich der Gründlichkeit mit der die einzelnen Maßnahmen durchgeführt werden, einen Spielraum. Der Verfasser neigt zum obere Ende der Skala. Nicht berücksichtigt wurden die Zeiten für die Dokumentation, für die Beschaffung erforderlicher Teile und das Studium von Unterlagen. Auch die jetzt noch folgende Phase, der Dauerbetrieb (mit weiterer Kontrolle der Strom- und Spannungswerte) mit den passenden Lautsprecherboxen, wurde nicht berücksichtigt. GRUNDIG betonte, dass die Auswahl der Boxen unkritisch ist. Hauptsache ungefähr 5 Ohm. Das ließ sich bei der Erprobung mit unterschiedlichen Boxen bestätigen. Die Skizze rechts zeigt die Vedrahtung der GRUNDIG Box. Für den Lautsprecheranschluss stehen auch für den Test vorgesehene Ausgänge für Bananenstecker zur Verfügung. Die für die GRUNDIG - Boxen geeigneten Spezialbuchsen haben genügen Löcher, so dass zusätzlich (ohne Spuren zu hinterlassen rückbaubar!) Lüsterklemmen angebaut werden konnten.


Abschließender Test über mehrere Stunden















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