Beiträge aus der FUNKSCHAU der 50er Jahre

Lebensdauerprüfung von Kleinkondensotoren
Hoher und gleichbleibender Isolationswiderstand von Kondensatoren ist ausschlaggebend für die Betriebssicherheit und Wiedergabegüte von Empfängern. Kopplungskondensatoren mit schlechter Isolation (Feinschlüssen) gefährden z. B. die Endröhren und bewirken beträchtliche Verzerrungen. Eine Verschlechterung der Isolation tritt erst im Laufe der Zeit auf. Es ist daher notwendig, nicht nur die elektrischen Werte von Kondensatoren bei der Anlieferung zu prüfen, sondern den Isolationswiderstand stichprobenweise in einem Dauerversuch zu überwachen. Die Gründe für das Schlechterwerden der Isolation liegen im Aufbau der Kleinkondensatoren. Als Dielektrikum wird wegen der hohen elektrischen und physikalischen Anforderungen nur reines Natronzellulosepapier verwendet, das neben seinen wertvollen Eigenschaften allerdings den Nachteil hat, daß es wie jedes Papier hygroskopisch ist, d.h. Luftfeuchtigkeit aufnimmt. Bei der Herstellung von Kondensatoren wird die Feuchtigkeit durch Vakuumtrocknung aus dem Papier entfernt. Nach einer sachgemäß durchgeführten Vakuumtrocknung kann angenommen werden, daß die Kondensatoren einen allen Anforderungen entsprechenden Isolationswiderstand besitzen; er liegt bei neuen Kondensatoren in der Größenordnung von etwa 105 M . Trotz Imprägnierung bleibt aber das Dielektrikum hygroskopisch; es ist also bestrebt, die entzogene Luftfeuchtigkeit erneut aufzunehmen, wodurch der hohe Isolationswiderstand wieder absinkt. Die Kondensatorwickel werden deshalb in ,,dichte" Gehäuse eingebaut. In keramische Rohre eingelötete Kondensatoren (Klasse 1) kommen wegen ihrer hohen Herstellungskosten für den Radiobau nicht in Frage. Kondensatoren der Klasse 3 werden im Schutzrohr beidseitig mit Bitumenmasse zugegossen. Unter dem Gesichtspunkt der Undurchläasigkeit gegenüber Feuchtigkeit ist Glas der beste Werkstoff für Schutzrohre, jedoch werden Glasrohre verschiedentlich von den Verbrauchern abgelehnt. Überwiegend werden deshalb Schutzrohre aus Hartpapier oder Preßstoff verwendet, die allerdings ebenfalls hygroskopisch sind. Trockene Preßstoffrohre zeigen nach 48stündiger Wasserlagerung eine Feuchtigkeitsaufnahme von 0,5 bis 2, Hartpapierrohre eine solche von 5 bis l0 Gewichtsprozenten. Unter diesen Umständen kann sich die Isolation verringern, auch wenn die Kondensatoren nicht im Gebrauch sind, sondern lediglich lagern. DIN 41140 berücksichtigt dies und gibt 1000 M  als untersten Wert für den Isolationswiderstand von Kleinkondensatoren der Klasse 3 bei einer mittleren relativen Luftfeuchtigkeit von 60% an.
    Eine neue Kondensatorenart, die in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten herausgebracht wurde, wird durch Tauchen mit einem Überzug versehen. Zum Unterschied von Rohrkondensatoren schließt die Umhüllung von ,,Tauchkondensatoren" keinerlei schädliche Luftreste ein. Die verwendete Kunststoffmasse ist praktisch unhygroskopisch und zeigt bei Wasserlagerung keinerlei meßbare Feuchtlgkeitsaufnahme. Durch die größere Wärmebeständigkeit gegenüber Bitumenvergußmassen ist es möglich, den zulässigen Temperaturbereich zu erweitern. Die umhüllende Kunststoffmasse paßt sich den Formen des Kondensatorwickels an, wodurch sich kleinere Abmessungen als bei Rohrkondensatoren ergeben Die Prüfung des Lebensdauerverhaltens von Kleinkondensatoren ist mit verhältnismäßig einfachen Mitteln möglich Erforderlich ist allerdings ein hochempfindliches Lichtzeiger - Galvanometer oder ein „Tera- Ohmmeter" (Firma Richard Jahre, Berlin) zum Messen von hohen Isolationswiderständen. Nach der Normvorschrift soll letzterer mit 110 V = nach einer Minute bei Zimmertemperatur gemessen werden. Die Beobachtung des Isolationswiderstandes bei bestimmter Luftfeuchtigkeit ergibt die sichersten Rückschlüsse auf die Lebensdauer. Es ist zweckmäßig, die relative Luftfeuchtigkeit, unter der die Prüflinge gelagert werden, so hoch wie möglich zu wählen, um die Reaktionszeit abzukürzen. Das Probeverfahren ermittelt natürlich nicht die tatsächliche Lebensdauer, es ermöglicht aber wertvolle Vergleichsprüfungen zwischen verschiedenen Kondensatoren und gibt Erfahrungswerte an.
Ein für diesen Zweck ausreichender Feuchtraum ist mit einfachsten Mitteln zu erstellen. Geeignet hierfür ist ein W e c k g 1 a s mit Gummiring und Deckelklammer. Als Verdunster und Stabilisator hat sich wegen seiner großen Oberfläche ein Naturschwamm als praktisch erwiesen, der auf dem Boden des Weckglases liegt, das nur 1 bis 2 cm hoch mit Wasser gefüllt wird, so daß der Schwamm zum größten Teil aus dem Wasser heraussteht (Bild1). Ein aus Draht gebogener Dreifuß wird in das Glas hineingestellt. Darauf kommt ein Be-hälter oder Körbchen aus engmaschigem Draht, in das die Prüflinge gelegt werden.
    Ein Hygrometer zeigt die Luftfeuchtigkeit an, die in kurzer Zeit annähernd ihre Sät-tigung erreicht.
Die Prüfung kann sowohl bei Zimmer-temperatur als auch unter Temperaturschwankungen innerhalb des zulässigen Temperaturbereiches vorgenommen werden. Infolge der Temperaturschwankungen wird die Luftfeuchtigkeit zeitweilig bis zur Kon-densation angereichert, was jedoch nicht von Nachteil ist, weil hierdurch die Prü-fung bis zur Betauung erfolgt. In einem Weckglas können 10 bis 12 Kleinkondensatoren untergebracht werden. Sie werden zweckmäßig in Wochenabständen gemessen und protokolliert. Bild 2 zeigt ein Kurvenbild solcher Messungen, in dem vergleichsweise das Lebensdauerverhältnis verschiede-ner Kondensatoren zu ersehen ist.
(Funkschau 1952, Heft 11/211)

Brummen durch fehlerhafte Sicherungshalter
Ein Nachkriegsgerät zeigte den typischen Netz-Brummton, der auftritt, wenn die Gleichrichterröhre die durch das Netz eintretende Hochfrequenz moduliert. Allerdings trat die Störung völlig unabhän-gig von der Abstimmung auf, also nicht nur bei einem stark einfallen-den Sender. Eine Überprüfung des gesamten Gerätes, insbesondere des Netzteiles, führte aber zu keinem Ergebnis. Nach längerem Suchen stellte sich schließlich heraus, daß der Netztransformator, der mit einer Röhre AZ 1 in Einwegschaltung belastet war, im Rhythmus der Netz-frequenz vibrierte. Diese Schwingungen teilten sich auch der Siche-rung mit. Deren vier Blattfedern aus Eisen (!) hatten sich aber mit einer Korrosionsschicht überzogen und außerdem ihre Spannkraft verloren, so daß ein Übergangswiderstand entstand, der im Rhythmus der Netzfrequenz schwankte. Bereits ein leichter Druck auf die Siche-rung brachte das Brummen zum Verschwinden. Der Sicherungshalter wurde ausgetauscht und der Transformator auf Schwammgummi ge-setzt; das Gerät arbeitete dann wieder einwandfrei .
(Siegfr. Deistler in: Funkschau 1952, Heft 24/499)

Auswechseln von Lautsprecher-Bespannstoffen
Oft ist der Stoff, der zur Bespannung der Schallwand in Empfängern verwendet wurde, unansehnlich geworden. Als besonders stö-rend wird es meist empfunden, daß sich der Ausschnitt für den Lautsprecher dunkel auf dem Stoff abzeichnet. Durch die Membranschwingungen wird die Luft in beiden Rich-tungen durch das Tuch hindurchgeblasen und die in der Luft enthaltenen Staubpar-tikel setzen sich dadurch im Stoff fest. Natürlich wird man die Bespannung erneuern, wenn das von dem Kunden gewünscht wird. Es kann jedoch auch der Fall eintreten, daß sich der Stoff aus technischen Gründen nicht lösen läßt, oder daß auf den gleichen Stoff Wert gelegt wird, um den Gehäusestil des Gerätes zu wahren. Zur Reinigung des Stoffes wird zunächst die Schallwand ausgebaut und der Lautsprecher entfernt. Dann versucht man vorsichtig, den Stoff zu lösen. Man geht dabei am besten folgendermaßen vor: mit einem heißen Bügeleisen bestreicht man den Stoff am Rande der Schallwand etwa 5 cm breit. Dadurch erweicht sich der Leim, und der Stoff wird sich in den meisten Fällen glatt ablösen lassen.  
    In der kalten Lösung eines Feinwaschmit-tels lassen sich auch empfindliche Stoffe durch leichtes Drücken vollständig reinigen. Laufen sie etwas ein, so schadet das nichts, da sie im trockenen Zustand durch Bügeln die alte Größe wiedererhalten. Das Aufbringen geschieht ebenfalls durch Aufbügeln. Die auf der Schallwand verbliebenen Leimreste reichen zur erneuten Befestigung aus.
    In einigen Fällen ist ein Lösen des Stoffes jedoch nicht möglich. Der Leim läßt sich nicht erweichen, oder aber die Abdeckung des Magischen Auges ist in den Stoff eingebördelt. Hier empfiehlt es sich, den Stoff auf der Schallwand zu belassen und mit einer Feinwaschmittellösung und einer weichen Bürste zu behandeln. Anschließend muss er langsam trocknen.
In der beschriebenen Art lassen sich alle Lautsprecherstoffe reinigen, und die Geräte erhalten, besonders wenn auch das Gehäuse aufpoliert wird, wieder ein gutes Aussehen.
                                     (K.Lapstich in: Funkschau1952, Heft12/233)

Vier Stunden Musik von einem Schallband
Vier Stunden gute Unterhaltungs- und Tanzmusik (74 Musiktitel ent­sprechend der Spieldauer von etwa 40 normalen Schallplatten) werden ohne Unterbrechung von der neuen Schallbandkassette ,,Die große Tefi-Revue" wiedergegeben. Dabei wiegt die Kassette nur etwa 10% mehr als eine normale 30-cm-Schallplatte. Sehr reizvoll ist die Verwendung dieser Kassette in der neuen T e f i f o n Rundfunk-Kombination, die jetzt neben die vielen Phono­Super und Musiktruhen der Industrie tritt. Ein Hochleistungs-UKW-Super in einem schmucken Gehäuse trägt auf der Oberseite unter dem Deckel das Schallbandgerät. Der Empfänger besitzt 10 Klaviertasten, mit denen wie üblich die Wellenbereiche, aber auch der Bandspieler eingeschaltet werden. Weitere der Tasten sind als Klangregister ausgebildet, mit denen sich der Klangumfang des Lautsprechers in ein­facher Weise regeln läßt.
    Das in die Kombination eingebaute Tefifon stellt eine Weiterentwicklung dar. Ebenso, wie es der Schallplatten- und Magnettongeräteindustrie möglich war, im Laufe der Zeit auf geringere Abtastgeschwindigkeit bei gleichbleibender und sogar ver­besserter Qualität (durch Mikrorillen) überzugehen, so ist es auch bei diesem Aufzeichnungsverfahren in zäher Arbeit gelungen, mit der Bandgeschwindigkeit von 45 auf 19 cm/sec herunterzugehen. Ein neuentwickeltes Doppelkristallsystem mit Universalsaphir tastet die Schallrillen der Tefi-Schrift mit nur 6 g Auflagedruck ab. Der Frequenzbereich konnte von 30 bis 16 000 Hz erweitert werden, so daß die Klanggüte der Bandwiedergabe UKW-Qualität erreicht. Die 19-cm-Technik ermöglicht Längstspielaufzeichnungen bis zu vier Stunden. Das Umschalten von 45 auf 19 cm/sec Bandgeschwindigkeit erfolgt bei dem neuen Tefifon M 540 durch einfaches Umlegen eines Hebels auf der Bedienungsplatte. Außerdem können aber auf diesem Bandspieler auch Schallplatten aller Art mit Hilfe einer Zusatzkassette und eines Platten-Zusatztonarmes abgespielt werden.
    Der Rundfunkempfänger mit Tefifon stellt also eine sehr glückliche Lösung für den Musikfreund dar, zumal der Preis sehr günstig liegt. Die Firma Tefi ist dabei durchaus kein Neuling im Empfängerbau, denn sie fertigte vor Jahren bereits eine Reihe leistungsfähiger Rund­funkgeräte - am bekanntesten wurde der Kleinsuper Tefi-Zwerg - deren Fabrikation damals zu Gunsten der Konzentration auf die Schallbandgeräte eingestellt wurde.
(FUNKSCHAU 1954, Heft 15/334)

 Brummempfindliche Abschirmleitungen
Eingangsleitungen empfindlicher Niederfrequenz - Verstärker, die z. B. mit dem Hörkopf eines Magnettongerätes verbunden sind, neh­men trotz der Abschirmung häufig noch induktive Brummfelder auf. Bei einadrigen Leitungen ist dann nicht darauf geachtet worden, daß die Rückführung des erdseitigen Kopfanschlusses ausschließlich durch die Abschirmung der betreffenden Leitung zu erfolgen hat. Nur dadurch wird die Leitungs-Induktivität kompensiert und selbst größere Schleifen sind dann gegen magnetische Brummfelder un­empfindlich. Erwähnt sei noch, daß das Abschirmgeflecht solcher Leitungen sehr dicht geflochten sein soll, um auch gegen statische Einstreuungen genügenden Schutz zu bieten. Über der Abschirmung, die stets nur an einem Ende geerdet werden darf, soll sich stets noch eine Isolation befinden.
(H. Br. In: FUNKSCAU 1954, Heft 1/16)