Reparaturen an Bandfiltern

sind bei den Radios der 50er und 60er Jahre selten erforderlich. Die Filter sind gut geschützt in einem Gehäuse untergebracht, es werden hochwertige Styroflex- oder Keramikkondensatoren eingesetzt. Eventuelle Kapapazitätsänderungen sind so gering, dass diese durch die veränderliche Induktivität der Spulen ausgeglichen werden können.

Bei Geräten aus der Vorkriegsepoche kann dies anders aussehen. Die scheibenförmigen Kondensatoren im Bild rechts wiesen teils einen erhöhten Kapazitätswert, teils einen durch Risse (s. im Foto) verminderten Wert auf. Eine größere Abweichung kann nicht mehr durch die Spulen kompensiert werden, weil sich dann auch die Kopplung der Kreise verändern würde. Ein Abgleich auf eine andere Zwischenfrequenz ist nicht sinnvoll, weil diese dann innerhalb eines Empfangsbereiches liegen würde und der Gleichlauf (im Buch S. 113) nicht mehr sichergestellt wäre.

Das Bild rechts zeigt den Ersatz mit keramischen Kondensatoren. Die Werte müssen möglichst genau stimmen, so dass man sich auch mit Parallel- oder Serienschaltungen behelfen muss. Hier darf gebastelt werden, denn das Ganze verschwindet ja wieder unter der Haube.

Noch unangenehmer ist ein fest sitzender Ferritern mit abgeplatztem Kopf, so dass kein Schraubendereher mehr greift. Bei fest sitzenden Kernen operiert man vorsichtig mit einem erhitzten Schraubendreher.
Leicht reparabel sind aus der Hülse gerutschte Ferritkerne bei PHILIPS Bandfiltern (FM-Bereich), s. Bild unten. Das z.B. ist der Fall, wenn sich beim Drehen kein Maximum finden lässt.




Die AM-Filter (im Bild links) sind bei PHILIPS dagegen wie üblich aufgebaut, mit einem drehbaren Ferritkern, der einen Schlitz für den Schraubendreher hat. Links im Bild sieht man ein Filter für Chassismontage, rechts eines für Leiterplattenmontage. Letztere sind im Fehlerfall leicht auszubauen, weil keine Bauteile abgelötet werden müssen und beide Spulenträger nacheinander ausgelötet werden können. Vorher entfernt man den Abschirmbecher (zwei Lötstellen), der sich trotz formschlüssiger Sperren (s. blaue Markierung)  mit dem Blatt eines Schraubendrehers leicht abheben lässt.
Es lohnt sich, auch Bandfilter bei einer Verschrottung zu retten, weil ein Austausch schneller zum Erfolg führt. Reparieren kann man das Filter später immer noch.



Gewöhnungsbedürftig sind die bei SIEMENS (S&H) so genannten Abgleichhalme.
Sie wurden in den AM-Spulen der Bandfilter zum Abgleichen verwendet. Es gibt kein Gewinde, sie werden in den äußeren Halm eingeführt und dann in der richtigen Position fixiert. Das herausstehende Ende wird bündig abgetrennt. Wird ein Nachgleich erforderlich, muss die Fixierung gelöst und der Halm heraus gezogen werden. Das ist etwas schwierig, es besteht die Gefahr, dass der äußere Halm dabei beschädigt wird. Zum Lösen der Fixierung wird ein Spiralbohrer empfohlen, zum Herausziehen des Halmes eine Pinzette (ich verwende in ähnlichen Fällen auch ein an einem Ende mit Sekundenkleber benetztes Wattestäbchen, die Watte wird vorher entfernt).
Der Halm kann nicht wieder verwendet werden, daher liegen ab Werk jedem Gerät in einem kleinen Tütchen neue Halme bei.
Positiv ist anzumerken, dass sichtbar ist, ob sich der Kern noch in der Werkseinstellung befindet. Über die Löcher wurden im Werk noch Tesafilmstreifen geklebt. Weil in den Bandfiltern hochwertige Styroflexkondensatoren verwendet wurden, ist ein Nachgleich in den meisten Fällen nicht erforderlich.
Im Bild rechts wurde der Halm der oberen Spule bereits entfernt. Neue Halme (im linken Bild ganz unten) sind so lang, dass sie von Hand eingeführt und bewegt werden können.
Das Bild ganz rechts zeigt den Ausbau eines Bandfilters, hier bei einer Schatulle H42. Die Anschlüsse sind bereits entfernt worden, Oben rechts im Bild sieht man die Halteklammern, die eingedrückt werden müssen, um das Filtergehäuse ausbauen zu können. Der Wiedereinbau macht wenig Probleme, die Anschlüsse sind am Sockel und im Schaltplan gekennzeichnet. Um das Gehäuse des ausgebauten Filters abziehen zu können, biegt man dieses am unteren Rand etwas auf (s. Kennzeichnung "A"). Man sollte in jedem Fall die Kondensatoren prüfen, die bei einer Abweichung von mehr als 10% vom Sollwert ersetzt werden sollten.

Bandfilter: S. im Buch Seiten 82/83 und 91.


Verschiedene Bauformen. Ganz links ist eine schwenkbare Spule zur Veränderung der Bandbreite zu sehen. Wer selbst Zf-Verstärker experimentell aufbauen und erforschen möchte, ist mit dem SABA Filter mit einstellbarer Kopplung gut bedient.